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Liebesgeschichten
„Norddeutsche Partnersuche“ rückt einen bodenständigen Bäckermeister aus Mecklenburg in den Mittelpunkt, der zwischen Ostsee-Alltag, Generationsfragen und der Suche nach Nähe navigiert.
In „Blinddate“ verbinde ich gesellschaftliche Sensibilität mit einem Einblick in das Leben einer jungen Frau im Rollstuhl, die trotz Einschränkungen Mut, Nähe und Stabilität sucht.
Norddeutsche Partnersuche

Bäckermeister Heiko lebt in Mecklenburg und betreibt, anfangs noch mit Unterstützung seiner Eltern, eine gut laufende Bäckerei. Sein Job gefällt ihm. Wenn da nicht sein kleines Problem bestünde, könnte man sagen, es geht ihm gut. Nach einer persönlichen Analyse und einer Aussprache mit seinen Eltern sieht er ein Licht am Horizont.
Leseprobe:
Der frisch gebackene Bäckermeister Heiko steht kurz vor seinem 30. Geburtstag. Schon lange hatte sich der groß gewachsene junge Mann, dessen Figur eher an einen Sportler als an einen Bäcker erinnerte, auf die langfristig geplante Party in ein paar Wochen gefreut. Jedoch konnte bisher keine so richtig gute Stimmung aufkommen. Ihn bewegten noch einige kleine Probleme.
Seine Eltern, die das Wohnhaus und die Bäckerei schon von seinem Großvater übernommen hatten, tragen sich mit dem Gedanken, ihm demnächst die Bäckerei zu übertragen, da sie in den Ruhestand treten wollen. Einerseits hat er lange darauf hingearbeitet, aber es gibt für ihn auch den entscheidenden Nachteil einer Bäckerei und den damit verbundenen Verwaltungstätigkeiten.
Er ist seit Jahren bemüht, eine Partnerin für sich zu finden. Dabei sind zwei Gründe, die sein Vorhaben unwahrscheinlich erschweren.
Da wäre als Erstes sein Beruf und die bei vielen jungen Damen auf Ablehnung stoßenden Arbeitszeiten. Nicht jede frisch verliebte junge Frau findet das absolute Verständnis, wenn der Angehimmelte um ein Uhr nachts aufsteht und sich für die Arbeit fertig macht. Das weit größere Hindernis aber ist, dass es in seinem mecklenburgischem Heimatdorf nur 520 Seelen gibt und der Anteil junger Frauen im ‚passenden‘ Alter sehr überschaubar ist, zieht es sie doch nach der Schule in die Ferne, um der Ruhe und Einsamkeit im Ort zu entfliehen. Die fehlenden Alternativen setzten ihm schon sehr zu. Die vorerst letzte Möglichkeit für Heiko hieß Julia und hatte ihm erst vor wenigen Stunden ihre niederschmetternde Antwort kundgetan. Das war allerdings schon 7 Tage nach ihrem ersten Treffen am abendlichen Dorfteich. Sie saßen auf einer Bank unter einer großen Weide, genossen den Anblick der sich rot färbenden untergehenden Sonne und plauderten über das Leben im Ort. Als ob er es nicht schon geahnt hätte, begann sie kurz vor dem Abschied nehmen ihre zerschmetternden Worte.
„Es lag ja nicht an ihm und das er ein toller Typ sei.“
Den Rest nahm er nur zum Teil auf, hatte er solche oder ähnliche Worte schon des Öfteren gehört. Damit leitete sie kurz vorm Heimgehen das Ende ihrer Beziehung ein, die noch nicht einmal richtig begonnen hatte. Er bestätigte ihr mit einem Lächeln, dass alles in Ordnung sei und fragte sich jedoch gleichzeitig, wie es denn nun weiter gehen könnte. Ein letztes Mal verabschiedete er sich von ihr und ging dann betrübt heim. Den Abend hatte er sich anders vorgestellt.
„Guten Morgen Heiko“, begrüßte ihn seine Mutter beim Eintreten in die große Backstube.
„Moin“, murmelte er kaum hörbar zurück. Er war schon seit einigen Stunden in der Bäckerei. Galt es doch, die vielen unterschiedlichen Teigwaren vorzubereiten und zu backen, bevor der Sonnabend so richtig losgeht.
„Warum bist du denn so mürrisch?“, begann seine Mutter. „Was ist denn gestern geschehen? Du warst doch so guter Dinge, als du gestern gegangen bist?“
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Blinddate

Eine junge Frau aus dem Ruhrgebiet arbeitet bei einem Buchverlag. Der Job macht ihr viel Spaß und sie kann sogar im Homeoffice arbeiten. So könnte sie eigentlich ganz zufrieden sein, wenn da nicht zwei Probleme wären. Julia sitzt im Rollstuhl und würde gern einen Partner neben sich sehen.
Leseprobe:
Nach einer unruhigen Nacht begann der Morgen dann doch wie viele andere. Julias Mutter klopfte an ihre Zimmertür und versuchte sie mit aufmunternden Worten locker in den Tag zu bringen.
„Ja, ich bin schon wach. Kannst du mir gleich helfen?“
„Aber ja“, antwortete ihre Mutter und stand schon in der Tür. Das hatte sie sich im Laufe der Zeit so angewöhnt. Sie betrat morgens ihr Zimmer erst nach der Aufforderung dazu. Schon zu oft hatte ein zu schnelles Eintreten am frühen Morgen für einen verärgerten Start in den Tag geführt. Das ging nun schon eine ganze Weile so.
Während des letzten Schuljahres vor den Abiturprüfungen hatte sie ein Praktikum im ortsansässigen Verlag absolviert. Hier reifte damals bei ihr der Gedanke, einmal etwas mit vielen Büchern zu erlernen. So beschloss sie nach Rücksprache mit ihren Eltern, nach dem Abitur eine Ausbildung in entsprechender Richtung aufzunehmen. Sie hatte sich entsprechend beworben und kurz vor Beendigung der Schulzeit die Zusage doch noch erhalten. Gerechnet hatte sie damit schon nicht mehr, da sie sich ja sehr spät beworben hatte. Sie hatte den Ausbildungsplatz zur Lektorin. Und dann schien alles auf einmal so einfach. Ihre gleichzeitige Anfrage nach einem Job im Verlag, um ihre Finanzen zu verbessern, wurde positiv beantwortet.
So arbeitete sie in ihren letzten Ferien an zwei Tagen in der Woche im Verlag. Viel Geld brachte ihr dies zwar nicht ein, aber sie konnte dort viel lernen. Hauptsächlich nahm sie während dieser Zeit Korrekturlesungen von eingesandten Manuskripten vor. Die Arbeit im Verlag verlangte von ihr und ihren Eltern an diesen Tagen einen hohen Aufwand, war sie doch seit einem Unfall in den Ferien vor einigen Jahren an einen Rollstuhl gebunden. Anfänglich war für sie alles aussichtslos, aber mit vielseitiger Hilfe war es gelungen, ihre Lebensfreude wiederzuerwecken. So benötigt sie heute nur noch besondere Hilfe im Bad, beim zu Bett gehen und beim Aufstehen.
Die Ausbildung verlief zufriedenstellend. Ihr großer Wille war wie ein Motor der besonderen Art.
Der Verlag war ihr, so weit es machbar war, an den praktischen Tagen entgegengekommen und sie konnte sich einen Heimarbeitsplatz einrichten. Mittlerweile arbeitete sie nur noch in Heimarbeit und ihre positive Art und Zuverlässigkeit führten dazu, dass dies auch nicht mehr geändert wurde.
Dass dieser Tag anders verläuft, merkte ihre Mutter sofort, denn Julia war außerordentlich gesprächig.
„Ich muss dir etwas erzählen, was mich besonders bedrückt“, begann sie mit leiser Stimme und wartete ab, bis sich ihre Mutter dazugesetzt hatte.
„Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll.“
„Erzähl doch erst einmal und dann schauen wir, was wir machen können“, antwortete ihre Mutter mit ruhiger Stimme und wartete in gewohnter Gelassenheit Julias Erklärung ab. Die begann sofort, ihrer Mutter die Geschehnisse der letzten Zeit darzulegen. Sie sprach von ihrem Job, vom Autor des Kriminalromans, der sie so gepackt hatte, von ihrer Einsamkeit und dem Wunsch nach einem Partner sowie ihrer Anmeldung und den Stand der Dinge bei der Partnerschafts-App. Mit einer etwas aufgeregterer Stimme kam sie dann zu Niklas und seinem plötzlichen Fernbleiben. Beim besorgten Erzählen von Niklas war ein Leuchten in ihren Augen zu erkennen, was ihrer Mutter natürlich nicht entgangen war. So nahm sie sich alle Zeit, Julia ausgiebig von ihrer Entdeckung in der App und auch den Stand des Kennenlernens erzählen zu lassen. Abschließend, mit den traurig wiederholenden Worten: „Und ich weiß jetzt nicht, was ich machen soll.“, beendete Julia ihre sorgenvolle Rede über die Geschehnisse der letzten Stunden.
Nun war ihre Mutter aufgestanden und strich ihr leicht über das Haar.
„Erinnere dich an deine schweren Stunden und Tage nach deinem Unfall. Mach dich nicht unnötig verrückt. Wenn er dich genauso mag, wie du es gerade beschrieben hast, dann wird er sich auch bald wieder melden. Sicher gibt es einen einfachen Grund für sein wegbleiben. Bleibe ruhig und vertraue deinen Gefühlen. Konzentriere dich auf deine Arbeit und du wirst sehen, wie schnell die Ungewissheit vorübergehen wird.“
„Du hast gut reden, ich kann nicht so schnell zum Alltag zurückkehren“, seufzte sie mit leisen Worten.
„Doch, du kannst das“, antworte ihre Mutter, wobei sie ihr tief in die Augen sah. Voller Zuversicht verließ sie Julias Zimmer.
Nach ein paar Minuten der Besinnung begann Julia ihren Arbeitstag, wie gewöhnlich. Sie rollte zu ihrem Arbeitstisch und drückte an ihrem Rechner auf die Starttaste. Keine Minute später war dieser hochgefahren und mit wenigen Klicks war sie im aktuellen Kriminalroman an der Stelle, wo sie gestern abgebrochen hatte. Dabei stellte sie fest, dass sie den Autor ihres aktuellen Falls beneiden könnte. Der beherrscht seine Szenerie in allen Situationen und weiß immer, was in welchem Moment zu tun ist.
Aber weiß er das wirklich?
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